Wer TISAX® angehen will, fragt fast immer sehr früh nach den Kosten. Das ist sinnvoll. Denn bei TISAX® zahlt man nicht einfach nur "eine Zertifizierung" und ist dann fertig. Die Kosten entstehen an mehreren Stellen: bei der Registrierung im ENX-Portal, beim eigentlichen Assessment durch einen zugelassenen Audit Provider, im internen Aufwand des Unternehmens und gegebenenfalls in externer Unterstützung. TISAX® selbst ist dabei streng genommen kein klassisches Zertifizierungsschema, sondern ein Prüf- und Austauschmechanismus mit TISAX®-Labels als Ergebnis.
Die kurze Antwort
Die eigentliche Antwort auf die Kostenfrage lautet deshalb nicht: Was kostet TISAX®?
Sondern eher: Welche Kostenblöcke kommen bei unserem Scope, unserem Assessment Level und unserer Eigenleistung zusammen?
Das ist der richtige Blick, weil TISAX®-Kosten nicht nur aus einer Rechnung bestehen, sondern aus mehreren Hebeln, die sich gegenseitig beeinflussen.
1. Die ENX-Gebühren: klein, aber fest
Der erste Kostenblock ist die Registrierung im ENX-Portal. Im Standardmodell erhebt ENX aktuell 405 Euro pro TISAX Assessment Scope und Standort, zuzüglich Mehrwertsteuer, mit automatischen Rabatten von 10 Prozent für 5 bis 9 Standorte und 20 Prozent ab mehr als 10 Standorten. Wichtig ist dabei: Diese Gebühr ist ein Einmalentgelt für die Registrierung eines Scopes und es gibt laut Preisliste keine laufenden Jahresentgelte während der Gültigkeitsdauer. (Stand Q1//2026).
2. Die eigentlichen Auditkosten: meist der größere externe Block
Der zweite Kostenblock sind die Kosten des zugelassenen TISAX® Audit Providers. Genau hier wird es individueller, weil diese Kosten nicht zentral von ENX fixiert werden wie die Registrierungsgebühr. Die Höhe hängt vor allem davon ab, wie groß Ihr Scope ist, wie viele Standorte einbezogen werden, welches Assessment Level erforderlich ist und wie aufwendig die Prüfung dadurch wird. Schon die offizielle TISAX®-Prozessbeschreibung zeigt, dass AL2 auf Evidenzprüfung und Expertengespräch begrenzt ist, während AL3 zusätzlich eine Vor-Ort-Prüfung einschließt. Allein daraus wird klar: Mehr Prüftiefe bedeutet typischerweise auch mehr Aufwand und damit meist höhere Auditkosten. Das ist eine naheliegende Schlussfolgerung aus dem offiziellen Prüfprozess.
3. Assessment Level und Scope treiben die Kosten deutlich
Wer Kosten realistisch einschätzen will, muss zwei Dinge sauber verstehen: Assessment Level und Scope. Die drei Assessment Levels unterscheiden sich spürbar im Prüfaufwand: AL1 ist Self-Assessment, AL2 kombiniert Evidenzprüfung und Experteninterview, AL3 umfasst zusätzlich eine Vor-Ort-Inspektion. Gleichzeitig definiert der Scope, welche Standorte, Prozesse, Verfahren und Ressourcen überhaupt Gegenstand der Prüfung sind. Genau deshalb treiben ein größerer Scope und ein höheres Assessment Level die Kosten meist deutlich nach oben.
4. Mehrere Standorte sind der große Kostentreiber
Ein einzelner Standort ist meist relativ klar handhabbar. Sobald mehrere Standorte in den Scope kommen, wird das Thema teurer und komplexer. Die offizielle TISAX®-Handbuchlogik ist an dieser Stelle hilfreich: Ein gemeinsamer Scope über mehrere Standorte kann Vorteile bringen, weil zentrale Prozesse, Verfahren und Ressourcen vom Audit Provider nicht mehrfach separat bewertet werden müssen. Gleichzeitig steigt aber der organisatorische Aufwand, und das Assessment-Ergebnis ist erst verfügbar, wenn alle Standorte bewertet sind. Wenn nur ein Standort durchfällt, blockiert das den positiven Gesamtstatus. Genau deshalb ist die Scope-Frage nicht nur fachlich, sondern direkt wirtschaftlich relevant.
5. Interne Kosten sind oft der am meisten unterschätzte Block
Der am häufigsten unterschätzte Kostenblock ist nicht die ENX-Rechnung und auch nicht das Angebot des Audit Providers. Es ist der interne Aufwand. Denn jemand im Unternehmen muss den Scope definieren, die Selbstbewertung vorbereiten, Nachweise zusammentragen, Rückfragen klären, Maßnahmen koordinieren und das Ganze organisatorisch zusammenhalten. Der TISAX®-Prozess verlangt ausdrücklich eine Registrierung, ein Assessment, ein Ergebnismanagement und später die Freigabe bzw. den Austausch der Ergebnisse. Das läuft nicht ohne interne Zeit und Verantwortung.
6. Eigenleistung ist nicht automatisch billiger
Viele Unternehmen denken anfangs: Dann machen wir eben möglichst viel selbst, dann sparen wir Beratungsbudget.
Das kann stimmen. Es kann aber genauso gut am Ende teurer werden. Denn je mehr intern selbst erarbeitet wird, desto stärker hängen Geschwindigkeit und Qualität davon ab, ob im Unternehmen schon Erfahrung mit TISAX®, ISA und Auditlogik vorhanden ist. Wenn diese Erfahrung fehlt, wird das Projekt oft langsamer, bindet mehr Managementzeit und erzeugt mehr Schleifen. Billiger auf dem Papier ist nicht automatisch wirtschaftlicher in der Gesamtbetrachtung. Diese Abwägung ist eine praktische Schlussfolgerung aus dem TISAX®-Ablauf und dem internen Mitwirkungsbedarf.
7. Beratungskosten sind nicht der Gegner, sondern ein Hebel
Externe Unterstützung ist ein weiterer Kostenblock. Viele schauen darauf zuerst mit dem Reflex: "Das muss möglichst klein bleiben." - Der sinnvollere Blick ist: Wie viel Last nimmt externe Unterstützung unserem Unternehmen wirklich ab? Wenn das Projekt intern kaum Kapazität hat, kann Beratung wirtschaftlich sinnvoll sein, weil sie Struktur, Geschwindigkeit und klare Entscheidungen bringt. Wenn ein Unternehmen dagegen intern sehr stark aufgestellt ist, kann der Beratungsanteil kleiner ausfallen. Die richtige Frage lautet also nicht "Beratung ja oder nein?", sondern "Wie verteilen wir die Last zwischen internem Aufwand und externer Unterstützung sinnvoll?". Das ist eine Projektlogik, keine offizielle Preisvorgabe.
8. ISA 6.0 ist heute der Maßstab für neue Verträge
Für die aktuelle Kosteneinschätzung wichtig: Für TISAX®-Verträge, die ab 1. April 2024 geschlossen wurden, ist ISA Version 6.0 die maßgebliche Grundlage. Ältere laufende Assessments konnten noch auf ISA 5.1 laufen, aber für neue Projekte ist diese Übergangslogik praktisch vorbei. Das ist relevant, weil die aktuelle Version die Messlatte für Aufwand, Umsetzung und Auditvorbereitung bestimmt.
9. TISAX® ist kein Einmalmoment, aber die Gültigkeit ist begrenzt
Ein weiterer Punkt für die Kostensicht: Ein TISAX®-Ergebnis ist laut Participant Handbook drei Jahre gültig. Danach beginnt der Weg erneut. Gleichzeitig gibt es laut ENX-Preisliste keine jährlichen Registrierungsgebühren innerhalb dieser Gültigkeit. Das heißt praktisch: Sie haben keine klassische jährliche Lizenzstruktur bei ENX, aber sehr wohl einen wiederkehrenden Zyklus über die Gültigkeit und spätere Re-Assessments.
10. Die eigentliche Kostenfrage ist eine Scope-Frage
Aus unserer Sicht wird TISAX® oft falsch kalkuliert, wenn man zuerst auf das Auditangebot schaut. Die eigentliche Kostenfrage sitzt früher: Wie schneiden wir den Scope? Wie viele Standorte ziehen wir in ein Assessment? Welches Assessment Level ist wirklich nötig? Wie viel davon wollen und können wir intern selbst tragen? Genau an diesen Stellschrauben entscheidet sich, ob das Projekt wirtschaftlich sauber läuft oder unnötig teuer wird. Die offizielle Scope-Logik im ENX-Handbuch macht genau diese Punkte sichtbar.
FAQ
Im Standardmodell derzeit 405 EUR pro Assessment Scope und Standort zuzüglich Mehrwertsteuer, mit automatischen Rabatten bei mehreren Standorten. Die Gebühr ist laut Preisliste ein Einmalentgelt ohne laufende Jahresentgelte während der Gültigkeit.
Das klären wir gemeinsam im Erstgespräch.
Anhand weniger Informationen zu Ihrem Unternehmen, Ihren Leistungen und Ihrer Kundenstruktur können wir meist sehr schnell einschätzen, ob und in welchem Umfang NIS-2 für Sie relevant ist. Sie erhalten danach eine klare Einordnung.
Vor allem von Scope, Anzahl der Standorte und Assessment Level. AL3 ist aufwendiger als AL2, und mehrere Standorte erhöhen typischerweise den Prüf- und Koordinationsaufwand.
In vielen Unternehmen ist der interne Aufwand der am meisten unterschätzte Block, weil Vorbereitung, Selbstbewertung, Nachweise, Entscheidungen und Koordination intern Zeit binden. Diese Einschätzung ergibt sich aus dem offiziellen Prozessablauf.
Oft ja. Gleichzeitig kann ein gemeinsamer Scope über mehrere Standorte auch Effizienzvorteile bringen, weil zentrale Prozesse nicht mehrfach separat bewertet werden müssen. Das muss aber gegen die höhere Komplexität abgewogen werden.
Typischerweise drei Jahre. Danach muss der Prozess erneut durchlaufen werden.
Für Verträge ab 1. April 2024 ja. Diese Assessments müssen auf Basis von ISA 6.0 durchgeführt werden. (Stand: Q1/2026)
Unser Tipp
TISAX®-Kosten bestehen nicht aus einer einzigen Zahl, sondern aus mehreren Blöcken: ENX-Gebühren, Auditkosten, internem Aufwand und gegebenenfalls externer Unterstützung. Wer die Kosten realistisch steuern will, sollte deshalb nicht nur nach einem Auditpreis fragen, sondern zuerst den Scope, das Assessment Level, die Zahl der Standorte und die eigene Umsetzungsfähigkeit sauber klären. Genau dort liegt der größte Hebel.
Wenn Sie TISAX® wirtschaftlich sauber aufsetzen wollen und nicht erst im Projekt merken möchten, wo die eigentlichen Kostentreiber sitzen, sprechen Sie mit uns - oder schreiben Sie in den Chat (rechts unten auf dieser Seite).
