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ISO 27001

ISO 27001: Wer kann mir wirklich helfen?

Joachim Reinke
Von Joachim Reinke
Gründer & Geschäftsführer
Drei unterschiedliche ISO 27001-Berater stellen sich einem Unternehmen im Berater-Casting vor

Wenn ein Unternehmen mit ISO 27001 startet, kommt die Frage oft sehr früh: „Wer kann uns dabei eigentlich wirklich helfen?“

Die Frage ist berechtigt. Denn es geht nicht nur darum, irgendeinen Berater zu finden, der die Norm kennt. Es geht darum, jemanden zu finden, der Ihr Projekt so begleitet, dass am Ende nicht nur Dokumente entstehen, sondern ein System, das im Alltag funktioniert und im Audit trägt.

Genau deshalb lohnt es sich, bei der Auswahl nicht nur auf Fachbegriffe, Zertifikate oder schöne Folien zu schauen. Entscheidend ist, ob der Berater fachlich, methodisch und organisatorisch in der Lage ist, Ihr Unternehmen tatsächlich bis zur Zertifizierungsreife zu führen.

Die kurze Antwort

Helfen kann Ihnen grundsätzlich mehr als nur eine Person:

  • ein externer Berater;
  • ein interner Verantwortlicher;
  • ein Auditor als Sparringspartner;
  • ein Coach oder Trainer;
  • ein Dokumentensatz als Strukturhilfe;
  • und natürlich die Menschen im eigenen Unternehmen.

Aber nicht jede Hilfe hilft gleich gut.

Die wichtigere Frage ist deshalb nicht: „Wer bietet ISO 27001 an?“

Sondern: „Wer hilft uns so, dass wir wirklich vorankommen?“

Woran Sie merken, dass jemand Ihnen wirklich helfen kann

Viele Berater sehen auf der Website erst einmal ähnlich aus. Interessant wird es erst dann, wenn man prüft, ob sie nicht nur Wissen haben, sondern auch Wirkung erzeugen können.

1. Erfahrung ist wichtig – aber nicht als Deko

Natürlich sollte ein Berater Erfahrung mit ISO 27001 haben. Das ist die Grundvoraussetzung.

Aber Erfahrung ist nicht einfach die Behauptung: „Wir machen das schon lange.“

Die besseren Fragen sind:

  • Wie viele Unternehmen hat der Berater wirklich schon bis ins Audit begleitet?
  • Hat er verschiedene Ausgangslagen gesehen?
  • Hat er erlebt, wo Projekte in der Praxis hängen bleiben?
  • Kann er erklären, was in echten Projekten funktioniert und was nicht?

Erfahrung merkt man oft nicht an der Zahl der Buzzwords, sondern daran, wie klar jemand typische Probleme einordnen kann. Daran, wie sehr sie sich im Gespräch an ihre Unternehmensrealität erinnert fühlen. Daran, dass Sie denken „Es klingt so, als wäre der schon mal bei uns gewesen.“

Ein erfahrener Berater wird Ihnen exakt sagen können, welche Informationen er von Ihnen benötigt und welche Aufgaben er selbst übernehmen kann.

2. Gute Hilfe ist nicht nur Fachwissen, sondern Projektführung

ISO 27001 ist nicht nur ein Fachthema. Der Aufbau eines ISMS, das tauglich für eine Erstzerfizierung ist, ist ein Projekt.

Und viele Projekte scheitern nicht an der Norm, sondern an genau diesen Dingen:

  • Niemand zieht es sauber durch.
  • Entscheidungen bleiben liegen.
  • Verantwortlichkeiten sind unklar.
  • Fachbereiche machen nicht richtig mit.
  • das Projekt verliert nach ein paar Wochen Schwung.

Genau deshalb ist ein guter Berater nicht nur jemand, der Inhalte erklären kann. Er muss auch ein Projekt führen können: den richtigen nächsten Schritt kennen, die richtigen Leute einbinden, nachhalten, wenn es nötig ist, und bremsen, wenn jemand gerade ins falsche Detail abbiegt.

Vor allem sollte er in der Lage sein, Ihnen einen belastbaren Projektplan vorzulegen. Eine Liste mit 18 Tätigkeiten ist noch kein Projektplan. Ein brauchbarer Plan macht mindestens sichtbar:

  • welche Arbeitspakete es gibt, welcher Input dafür von wem benötigt wird und welches Ergebnis jeweils entstehen soll;
  • welche Tätigkeiten voneinander abhängen und was zuerst erledigt sein muss;
  • welche Themen parallel erarbeitet werden können;
  • wer für ein Arbeitspaket verantwortlich ist und wer zuarbeiten muss;
  • welche Beistellungen und Entscheidungen Ihr Unternehmen liefern muss;
  • welcher interne und externe Aufwand bei den Tätigkeiten voraussichtlich entsteht;
  • welche Deadlines und Meilensteine gelten;
  • und wie aus den einzelnen Arbeitspaketen Schritt für Schritt ein auditreifes ISMS wird.

Gerade der erwartete Eigenaufwand gehört nicht in eine Fußnote. Er sollte an den jeweiligen Tätigkeiten erkennbar sein. Warum pauschale Aussagen dazu meistens unseriös sind, erläutern wir im Artikel Wie viel Eigenaufwand müssen Sie bei ISO 27001 einplanen?

Lassen Sie sich die Logik dieses Projektplans zeigen. Sie müssen im Erstgespräch noch nicht jede einzelne Deadline festlegen. Aber Sie sollten erkennen können, ob der Berater Abhängigkeiten, Parallelisierung, Aufwand und Verantwortung wirklich durchdacht hat – oder ob er nur eine hübsche Tätigkeitsliste mitgebracht hat.

3. Branchenkenntnis ist hilfreich – aber nicht immer das Wichtigste

Viele fragen zuerst: „Muss der Berater unsere Branche kennen?“

Die ehrliche Antwort lautet: „Hilfreich, ja. Zwingend: nicht immer.“

Wichtiger ist oft, dass der Berater Ihr Unternehmen schnell versteht:

  • wie Ihr Geschäft funktioniert;
  • wo Ihre kritischen Prozesse liegen;
  • was für Ihre Kunden relevant ist;
  • und wo Ihre wirklichen Risiken sitzen.

Tiefe Branchenkenntnis kann ein Pluspunkt sein. Sie ersetzt aber nicht die Fähigkeit, sich sauber in eine Organisation hineinzudenken.

4. Methodik schlägt Bauchladen

Ein guter Berater hat eine klare Vorgehensweise.

Nicht im Sinne von: „Hier sind 200 Vorlagen, viel Erfolg. Bis dann!“

Sondern im Sinne von:

  • Was passiert zuerst?
  • Wie wird der Scope festgelegt?
  • Wie werden Risiken abgeleitet?
  • Wer muss wann eingebunden werden?
  • Wie wird das Projekt auditreif?

Wenn Ihnen ein Berater das nicht klar und verständlich erklären kann, sollten Sie vorsichtig werden. Denn dann ist das Risiko groß, dass das Projekt am Ende eher aus Einzelleistungen besteht als aus einer sauberen Führung.

5. Gute Hilfe passt zum Unternehmen – nicht umgekehrt

Ein häufiger Fehler ist, dass Unternehmen sich einen Berater suchen, der fachlich gut klingt, aber methodisch oder menschlich überhaupt nicht zum eigenen Laden passt.

Das zeigt sich oft schnell:

  • zu viel Theorie;
  • zu viel Konzernsprache;
  • zu viel Overhead;
  • „Dozenten“-Haftigkeit;
  • oder ein Stil, der intern einfach nicht angenommen wird.

Gerade bei ISO 27001 ist das relevant. Denn Sie arbeiten mit dem Berater nicht nur zwei Stunden, sondern oft über Wochen oder Monate. Da ist es ein echter Faktor, ob diese Zusammenarbeit praktisch funktioniert.

6. Referenzen sind gut – echte Einordnung ist besser

Natürlich sind Referenzen sinnvoll. Aber noch wichtiger ist, wie jemand über vergangene Projekte spricht.

Kann er konkret erklären,

  • wo andere Unternehmen typischerweise hängen;
  • welche Fehler oft passieren;
  • welche Entscheidungen später teuer werden;
  • und wie man solche Dinge früh erkennt?

Dann merken Sie meistens schnell, ob Sie mit echter Projekterfahrung sprechen oder nur mit jemandem, der die richtige Außendarstellung gelernt hat.

7. Tool-Frage: Der Berater sollte Sie nicht in ein System drängen

Ein Punkt wird bei der Beraterauswahl oft unterschätzt: „In welchen Tools will oder kann der Berater eigentlich mit uns arbeiten?“

Manche Berater bringen faktisch ihr eigenes System mit. Dann läuft das Projekt plötzlich in genau dem einen Tool, das der Berater bevorzugt. Für Sie klingt das zunächst bequem. In der Praxis kann das aber schnell in versteckten Abo-Kosten, zusätzlichem Schulungsaufwand und unnötigem Lock-in enden.

Auf der anderen Seite gibt es Berater, die gedanklich bei Word, Excel und dem Dateiserver stehengeblieben sind und alles außerhalb davon eher als Störung empfinden.

Die bessere Lösung ist meistens: Der Berater kann sich in Ihre vorhandene Umgebung einfügen. Wenn Sie ohnehin mit SharePoint, Confluence, Jira, Planner, Asana oder ähnlichen Werkzeugen arbeiten, sollte ein guter Berater damit umgehen können. Denn genau dann arbeiten Sie in Systemen, die Sie bereits kennen und für die intern keine Berührungsängste bestehen.

Ein Berater sollte das Projekt nicht unnötig schwerer machen, nur weil er sein Lieblingswerkzeug durchdrücken will.

Sie wissen noch gar nicht, welches Tool Sie nehmen sollten? Dann hilft Ihnen unser Überblick zur ISO 27001-Software. Und wenn Sie mit einem GRC-Tool liebäugeln, lesen Sie unseren Artikel über Governance-, Risk- und Compliance-Software.

8. Make or Buy: Wie viel Arbeit bleibt wirklich bei Ihnen hängen?

Viele Unternehmen unterschätzen diesen Punkt am Anfang gewaltig.

Natürlich kann man ein ISO 27001-Projekt so aufsetzen, dass intern viel selbst gemacht wird. Das spart auf dem Papier externe Beratungskosten. Gleichzeitig bindet es aber sehr viel Zeit im Unternehmen.

Wenn Ihre Mitarbeiter operativ ohnehin stark eingebunden sind, reicht es nicht, wenn ein Berater nur „fachlich unterstützt“. Dann muss er in der Lage sein, spürbar etwas abzufedern:

  • Projektführung;
  • Struktur;
  • Vorarbeit;
  • Aufbereitung;
  • Nachhalten;
  • Vorbereitung von Entscheidungen.

Genau deshalb lohnt es sich, sehr früh zu fragen: „Bietet der Berater nur Sparring an – oder kann er auch operative Last aus dem Projekt nehmen?“

Ein guter Berater kann beides. Er sollte aber offen sagen, welches Modell er anbietet oder präferiert. Sonst merken Sie zu spät, dass Sie eigentlich nicht Beratung eingekauft haben, sondern zusätzliche Arbeit für das eigene Team. Was ein Berater übernehmen kann und was zwingend bei Ihnen bleibt, erklären wir ausführlich in Geld rein, Zertifikat raus? Was Ihnen kein ISO 27001-Berater abnehmen kann.

9. Vergleichbarkeit: Gute Berater halten offenen Vergleich aus

Ein einfacher, aber aufschlussreicher Test ist diese Frage an den potenzielllen Berater: „Wären Sie bereit, sich in einem gemeinsamen Termin mit anderen möglichen Beratern zu stellen?“

Viele scheuen sich davor. Dabei ist genau das oft sehr hilfreich.

Gute Berater kennen ihren Wert. Sie wissen, wie sie arbeiten, was sie leisten und worin ihr Unterschied liegt. Deshalb haben sie normalerweise kein Problem damit, in einem offenen Vergleichsgespräch sauber zu erklären, warum ihr Ansatz passt – oder eben nicht.

Wenn jemand auf so etwas auffällig empfindlich reagiert, sollten Sie genauer hinschauen.

10. Struktur: Ein guter Berater steuert den Plan auch im Alltag

Ein guter Projektplan ist wichtig. Er hilft Ihnen aber nur, wenn der Berater tatsächlich damit arbeitet.

Im Projekt sollten Sie jederzeit erkennen können,

  • wo Sie gerade stehen;
  • welche Arbeitspakete abgeschlossen sind;
  • was als Nächstes passieren muss;
  • welche Abhängigkeiten und Blockaden es gibt;
  • welche Entscheidungen ausstehen;
  • und ob Deadlines oder Meilensteine gefährdet sind.

Hier geht es um die laufende Steuerung: Status aktualisieren, Abweichungen erkennen, Entscheidungen einfordern und den nächsten sinnvollen Schritt auslösen.

Wenn das fehlt, wird ein ISO 27001-Projekt schnell zäh. Dann gibt es zwar Input, aber keine klare Führung. Ein guter Berater schafft Orientierung – nicht nur fachlich, sondern während des gesamten Projektverlaufs. Dabei sollte er auch dafür sorgen, dass das interne ISO 27001-Projektteam weiß, was jeweils von ihm erwartet wird.

11. Festpreis: Erfahrung zeigt sich auch in sauberer Kalkulation

Erfahrene Berater sind oft in der Lage, Ihnen einen klaren Festpreis anzubieten. Sie werden keinen Cent mehr als diesen bezahlen.

Nicht deshalb, weil diese Berater zaubern können, sondern weil sie aus langjähriger Erfahrung wissen,

  • welche Arbeit typischerweise anfällt;
  • welche Projektmuster immer wieder vorkommen;
  • und welche Beistellungen sie vom Kunden wirklich brauchen.

Ein guter Festpreis ist nicht nur eine Zahl. Er macht transparent, welche Leistungen enthalten sind, was der Berater übernimmt, was von Ihnen kommen muss und wo die Grenzen des Modells liegen.

Das ist deutlich wertvoller als ein offenes Stundenversprechen, bei dem Sie erst am Ende merken, wie teuer das Ganze wirklich geworden ist. Zu den verschiedenen Preisbestandteilen haben wir einen eigenen Artikel über die Kosten einer ISO 27001-Zertifizierung geschrieben.

12. Time and Material: Vorsichtig sein!

Wenn ein Berater sagt: „Wir arbeiten auf Time-and-Material-Basis zusammen“, sollten Sie sehr genau hinhören.

Natürlich kann es Situationen geben, in denen das sinnvoll ist. Als Grundmodell für ein ISO 27001-Projekt ist es aber oft problematisch. Denn dann kaufen Sie kein klares Ergebnis, sondern erst einmal laufende Stunden.

Und damit entsteht ein schiefer Anreiz für den Berater: Je länger das Projekt dauert, desto länger wird fakturiert.

Das heißt nicht automatisch, dass jeder Berater auf Stundenbasis schlecht arbeitet. Aber es heißt: Das Risiko liegt deutlich stärker bei Ihnen. Wenn Sie Verbindlichkeit wollen, ist ein klar geschnittener Leistungsumfang mit sauberem Preis in vielen Fällen die bessere Lösung.

13. Dauer: Die Antwort sollte plausibel sein

Fragen Sie mögliche Berater ruhig direkt: „Wie lange dauert so eine Zertifizierung typischerweise?“

Und gleich danach: „Wovon hängt das konkret ab?“

Die Antwort muss nicht auf den Tag genau sein. Aber sie sollte nachvollziehbar sein.

Ein guter Berater kann erklären,

  • welche Zeiträume realistisch sind;
  • was das Projekt beschleunigt;
  • was es typischerweise verzögert;
  • und an welchen Stellschrauben man wirklich drehen kann.

Wenn die Antwort nur aus einer glatten Zahl besteht, aber ohne echte Einordnung, seien Sie vorsichtig. Dann klingt es vielleicht schön, hilft Ihnen aber bei der echten Planung nicht. Zur zeitlichen Planung finden Sie mehr in unserem Artikel Wie lange dauert eine ISO 27001-Zertifizierung?

14. Einzelkämpfer: Was passiert bei Urlaub, Krankheit oder Engpässen?

Auch das ist ein Punkt, der oft erst zu spät auffällt.

Einzelkämpfer können fachlich sehr gut sein. Aber sie haben ein strukturelles Problem: Wenn sie krank sind, Urlaub haben oder gerade in einem anderen Projekt festhängen, steht Ihr ISO 27001-Projekt schnell still.

Deshalb lohnt sich die Frage: „Wie ist der Berater organisatorisch aufgestellt?“

Gibt es Vertretung? Gibt es jemanden, der übernehmen oder sauber einspringen kann?

Gerade bei einem Projekt, das sich über Monate zieht, ist das kein Randthema. Es ist ein echter Risikofaktor.

Was Ihnen meistens nicht genug hilft

Ein reiner Dokumentensatz

Vorlagen können helfen. Aber sie führen kein Projekt. Und ein ISO 27001-Dokumentensatz allein macht noch kein funktionierendes ISMS.

Ein rein technischer Sicherheitsberater

Der kann technisch und fachlich stark sein, wenn es darum geht, die neueste Firewall-Generation zu konfigurieren. Trotzdem kann er zu schmal aufgestellt sein, wenn es um ISMS, Rollen, Richtlinien- und Prozessdokumentation sowie Auditlogik geht.

Ein Berater ohne Projektsteuerung

Dann bekommen Sie zwar Input, aber niemand hält das Ganze zusammen.

Jemand, der nur auf die Norm schaut

Dann entsteht schnell ein Papierprojekt statt eines Systems, das im Unternehmen trägt.

Worauf Sie im Erstgespräch achten sollten

Ein gutes Erstgespräch erkennen Sie oft an diesen Punkten:

  • Der Berater fragt nach Ihrem Unternehmen und nicht nur nach Ihrem Budget.
  • Er versucht zu verstehen, warum Sie ISO 27001 überhaupt machen wollen.
  • Er erklärt nicht nur Leistungen, sondern auch seine Vorgehensweise.
  • Er kann die Logik seines Projektplans verständlich darstellen.
  • Er kann Risiken und typische Engpässe sauber benennen.
  • Er klingt nicht nach „alles ganz einfach“, sondern nach realistischer Führung.

Wenn Sie nach dem Gespräch klarer sehen als vorher, ist das ein gutes Zeichen.

Besonders vorsichtig sollten Sie sein beim Typus Professor für höhere theoretische Regulatorik. Er ist fachlich oft gar nicht schlecht. Das Problem ist nur: Er möchte nicht helfen, sondern beeindrucken.

Sie erkennen ihn an einem ausgeprägten Sendungsbewusstsein. Sobald irgendwo zwei oder mehr Menschen zusammenstehen, beginnt die Vorlesung – unabhängig davon, ob irgendjemand eine bestellt hat. Besonders beliebt sind rhetorische Fragen. Die Antwort wird gar nicht erwartet. Sie wird vom Berater selbst geliefert.

Das Gegenüber ist dabei kein Gesprächspartner, sondern Publikum. Die unausgesprochene Botschaft lautet: „Ich toll, du nix.“ Der Kunde soll beeindruckt sein, möglichst wenig nachfragen und dankbar hinnehmen, dass hier offenbar jemand die höhere Wahrheit der Regulatorik verkündet.

Ein guter Berater macht Sie handlungsfähiger – nicht kleiner. Wenn Sie sich nach dem Gespräch vor allem ungebildet fühlen, während der Berater sich sichtbar großartig findet, haben Sie vermutlich keine Beratung erlebt, sondern eine Selbstdarstellung.

Diese Fragen sollten Sie jedem Anbieter stellen

Wenn Sie mehrere Berater vergleichen, stellen Sie allen dieselben Kernfragen. Nur dann vergleichen Sie nicht bloß Sympathie, Stundensätze und Folienlayouts.

  • Wie sieht Ihr typischer Projektablauf aus?
  • Können Sie uns einen echten Projektplan oder zumindest dessen Logik zeigen?
  • Welche Tätigkeiten hängen voneinander ab und welche können parallel laufen?
  • Welche Aufgaben übernehmen Sie – und welche bleiben bei uns?
  • Wie schätzen und kennzeichnen Sie unseren Eigenaufwand?
  • Wie werden Verantwortlichkeiten, Deadlines und Meilensteine festgehalten?
  • Wie steuern und aktualisieren Sie den Plan während des Projekts?
  • Wie gehen Sie mit Verzögerungen und ausstehenden Entscheidungen um?
  • In welchen Tools können Sie mit uns arbeiten?
  • Wer übernimmt bei Urlaub, Krankheit oder Engpässen?

Bitten Sie nicht nur um Antworten. Lassen Sie sich Beispiele zeigen. Ein anonymisierter Projektplan, ein typischer Statusbericht oder die Erklärung eines realen Projektablaufs ist meist aufschlussreicher als die nächste Folie mit vier bunten Pfeilen.

Wie man die Auswahl sinnvoll angeht

Unser Rat:

  • Sprechen Sie nicht nur mit einem Anbieter.
  • Achten Sie auf Klarheit statt auf Show und Imponiergehabe.
  • Fragen Sie nach echter Vorgehensweise und einem belastbaren Projektplan.
  • Prüfen Sie, ob die Person Ihr Unternehmen wirklich versteht.
  • Vergleichen Sie Leistungsumfang, Eigenaufwand, Preis und Projektsteuerung gemeinsam.
  • Achten Sie darauf, ob Sie sich mit dieser Person mehrere Monate Zusammenarbeit vorstellen können.

Denn genau das ist der Punkt: Sie kaufen bei ISO 27001 nicht nur Fachwissen ein. Sie kaufen Zusammenarbeit und Projektführung.

Interesse geweckt?

Wenn Sie prüfen wollen, ob ein ISO 27001-Berater wirklich zu Ihrem Unternehmen passt oder nur gut klingt, sprechen Sie mit uns.

Häufig gestellte Fragen

Muss ein ISO 27001-Berater in unseren Tools arbeiten können?
Im Idealfall ja. Ein guter Berater sollte sich sinnvoll in Ihre bestehende Tool-Landschaft einfügen können, statt Sie unnötig in ein neues System zu zwingen.
Woran erkenne ich, ob der Berater viel Arbeit bei uns hängen lässt?
Fragen Sie konkret, welche Aufgaben intern bei Ihnen bleiben, welchen Aufwand der Berater dafür erwartet und was er operativ übernimmt. Diese Angaben sollten auch im Projektplan erkennbar sein.
Ist ein Festpreis besser als Time and Material?
In vielen Fällen ja. Ein sauberer Festpreis schafft mehr Verbindlichkeit und verlagert weniger Risiko auf den Kunden. Entscheidend ist, dass Leistungsumfang, Beistellungen und Grenzen des Angebots transparent beschrieben sind.
Soll ich mehrere Berater vergleichen?
Ja. Vergleichen Sie nicht nur Websites und Angebote, sondern auch Vorgehensweise, Projektplan, Eigenaufwand, Projektsteuerung und persönliche Zusammenarbeit.
Was muss ein guter Projektplan für ISO 27001 enthalten?
Er sollte Arbeitspakete, Ergebnisse, Abhängigkeiten, parallel mögliche Tätigkeiten, Verantwortlichkeiten, interne und externe Aufwände, Deadlines sowie wichtige Meilensteine sichtbar machen.
Ist ein Einzelkämpfer automatisch schlecht?
Nein. Sie sollten aber wissen, was bei Urlaub, Krankheit oder anderen Engpässen passiert und ob eine fachlich geeignete Vertretung verfügbar ist.

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